Biergärten in München: Tradition und die besten Orte

Wer im Sommer nach München kommt und keinen Biergarten besucht, hat etwas Wesentliches verpasst. Das ist keine Übertreibung. Die Stadt hat rund 180 Biergärten, von kleinen Nachbarschaftsgärten mit 200 Plätzen bis zu Anlagen, die mehrere tausend Gäste fassen. Was sich dahinter verbirgt, ist mehr als eine Möglichkeit, draußen ein Bier zu trinken. Es ist eine Praxis mit eigenen Regeln, einer langen Geschichte und einer sozialen Funktion, die sich über Jahrhunderte gehalten hat.

Woher kommt die Tradition?

Die Geschichte des Münchner Biergartens beginnt im frühen 19. Jahrhundert. Brauereien lagerten ihr Bier in Felsenkellern unter der Erde, um es kühl zu halten. Über diesen Kellern pflanzten sie Kastanienbäume, deren breite Kronen Schatten spendeten und die Temperatur im Boden stabil hielten. Damit die Brauer auf dem Gelände selbst trinken konnten, wurden einfache Tische aufgestellt. Daraus entstand nach und nach ein öffentliches Angebot.

König Ludwig I. erließ 1812 ein Dekret, das Wirten zunächst verbot, auf Brauereigeländen Speisen auszuschenken. Gäste durften nur Getränke kaufen, ihr Essen aber selbst mitbringen. Diese Regelung ist bis heute gültig: In traditionellen Münchner Biergärten darf man eigene Speisen mitbringen, sofern man die Getränke vor Ort kauft. Das unterscheidet den echten Biergarten vom Gartenrestaurant. Wer einen Biergarten mit Brotzeit-Korb betritt, macht also nicht einfach ein Picknick, sondern folgt einem verbrieften Recht.

Was einen guten Biergarten ausmacht

Kies statt Rasen unter den Füßen, wackelige Holzbänke, Masskrüge aus schwerem Glas und Kastanien über dem Kopf: Das sind die äußeren Merkmale. Aber die Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Ein guter Biergarten hat keine reservierten Bereiche für Stammgäste, die anderen ausschließen. Jeder setzt sich, wohin er möchte, und Fremde teilen sich Bänke ohne große Umstände.

Wichtig ist auch das Bier selbst. In München sind die Biergärten traditionell an bestimmte Brauereien gebunden. Der Augustiner-Biergarten am Hirschgarten schenkt Augustiner aus, der Englische Garten-Biergarten am Chinesischen Turm gehört zur Hofbräuhaus-Brauereigruppe. Das hat Konsequenzen für Geschmack und Preis. Eine Maß liegt 2024 in den meisten Münchner Biergärten zwischen 9,00 und 10,50 Euro, je nach Lage und Brauerei.

Der Hirschgarten: Größter Biergarten der Welt

Wer über Biergärten in München spricht, kommt am Hirschgarten nicht vorbei. Mit rund 8.000 Plätzen gilt er als der größte Biergarten der Welt. Er liegt im Nymphenburger Schlosspark im Westen der Stadt, eingebettet in eine weitläufige Parkanlage mit einem angrenzenden Wildgehege, in dem noch heute Hirsche gehalten werden. Der Hirschgarten München ist kein touristischer Hotspot wie der Biergarten am Chinesischen Turm, sondern wird stark von Einheimischen genutzt, was der Atmosphäre gut tut.

Die Fläche ist so groß, dass man auch an vollen Sommerabenden meistens noch einen Platz findet. Das Angebot reicht von der klassischen Brotzeit mit Obatzda und Brezn bis zur warmen Küche. Ausgeschenkt wird Augustiner Bier. Die Anbindung ist mit der S-Bahn bis Laim und einem kurzen Fußweg machbar, für viele Münchner aber schlicht Radlfahrdistanz.

Weitere empfehlenswerte Orte

Neben dem Hirschgarten gibt es einige weitere Biergärten, die sich durch Lage, Betrieb oder Charakter hervorheben:

  • Biergarten am Chinesischen Turm: Im Englischen Garten gelegen, mit 7.000 Plätzen der bekannteste Biergarten für Touristen. Lebhaft, bunt gemischt, häufig mit Blasmusik. Wer Ruhe sucht, ist hier falsch.
  • Seehaus im Englischen Garten: Direkt am Kleinhesseloher See, mit 2.500 Plätzen deutlich ruhiger als der Chinesische Turm. Schöne Abendstimmung, wenn die Sonne über dem Wasser untergeht.
  • Augustiner-Keller: An der Arnulfstraße nahe dem Hauptbahnhof, mit 5.000 Plätzen und direktem Anschluss an die Innenstadt. Einer der ältesten Biergärten der Stadt, gegründet 1812.
  • Flaucher: Direkt an der Isar, beliebt bei Locals und Familien. Wildere, ungezwungene Atmosphäre, kombinierbar mit einem Bad in der Isar nebenan.

Praktische Hinweise für den Besuch

Wer einen Biergarten in München zum ersten Mal besucht, sollte ein paar Dinge wissen. Das Mitbringen von Speisen ist in den Selbstbedienungsbereichen üblich und akzeptiert, nicht aber im Restaurantteil, der in vielen großen Biergärten separat betrieben wird. Wer eine Maß kauft, bezahlt meist Pfand auf den Krug: in der Regel einen Euro, den man beim Zurückbringen erstattet bekommt.

Die Öffnungszeiten hängen stark von Wetter und Betreiber ab. Die meisten Biergärten öffnen ab Ende April oder Anfang Mai und schließen Ende September oder Mitte Oktober, bei gutem Wetter auch länger. Viele öffnen täglich ab 10 oder 11 Uhr, einige erst ab Mittag. Wer sicher gehen will, ruft vorher an oder schaut auf der jeweiligen Website nach, denn Schlechtwettertage führen kurzfristig zur Schließung.

Was man mitbringen kann

Ein typischer Brotzeit-Korb enthält Brot, Butter, Käse, Wurst und vielleicht Radieschen. Erlaubt ist grundsätzlich alles, was nicht bei einem Betreiber nebenan gekauft wurde. Alkohol von außen mitzubringen ist hingegen nicht gestattet. Wer mit Kindern kommt, findet in den meisten großen Biergärten auch alkoholfreie Getränke und einfache Speisen vor. Hunde sind in vielen Münchner Biergärten erlaubt, manchmal aber auf bestimmte Bereiche beschränkt.

Warum der Biergarten mehr ist als ein Lokal

Was den Münchner Biergarten von anderen Gastronomieformen unterscheidet, ist seine soziale Offenheit. Man sitzt nicht in einem abgetrennten Bereich, reserviert kein Tisch, wartet nicht auf einen Kellner, der einem einen Platz zuweist. Man setzt sich, bestellt selbst an der Theke und kommt zwangsläufig mit Menschen ins Gespräch, die man nicht kennt. Das hat etwas Demokratisches. Bankmanager und Bauarbeiter sitzen auf denselben Bänken, bezahlen denselben Preis für dieselbe Maß.

Diese Qualität lässt sich schwer erzwingen und noch schwerer reproduzieren. Andere Städte haben Biergärten eingeführt, aber kaum eine erreicht die Dichte und Selbstverständlichkeit, mit der München diese Kultur lebt. Wer im Sommer in die Stadt kommt, sollte sich einen Abend reservieren, einen Brotzeit-Korb packen und einfach hingehen. Mehr Planung braucht es nicht.