Hundefutter kaufen: Worauf es wirklich ankommt

Rund 10,6 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten. Und für jeden von ihnen treffen Halterinnen und Halter täglich eine Entscheidung, die erheblichen Einfluss auf Gesundheit und Lebensqualität des Tieres hat: die Wahl des richtigen Futters. Der Markt ist groß, die Versprechen auf den Verpackungen sind es noch mehr. Wer die wichtigsten Kriterien kennt, kauft gezielter und vermeidet teure Fehlkäufe.

Zutatendeklaration verstehen

Das Kleingedruckte auf der Rückseite einer Futterpackung ist der entscheidende Informationsträger. In der EU gilt für Heimtiernahrung die Pflicht zur Auflistung aller Zutaten in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil. Was also an erster Stelle steht, hat den größten Anteil am Produkt.

Problematisch sind sogenannte Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Dieser Begriff ist legal, aber wenig aussagekräftig. Steht stattdessen „Hühnerfleisch 40 %“ auf der Verpackung, weiß man, womit man es zu tun hat. Konkrete Angaben schlagen vage Begriffe immer. Wer mehr darüber erfahren möchte, welche Fleischsorten im Hundefutter sinnvoll und welche kritisch zu bewerten sind, findet dazu fundierte Hinweise in spezialisierten Ratgebern.

Getreide, Kartoffel oder Hülsenfrüchte als erste Zutat sind kein automatisches Ausschlusskriterium, können aber ein Hinweis auf ein Produkt mit günstigem Füllmaterial sein. Für gesunde Hunde ohne Unverträglichkeiten sind moderate Getreidemengen nicht schädlich, für Tiere mit Allergien jedoch schnell ein Problem.

Nährstoffbedarf nach Lebensphase

Ein Welpe, ein ausgewachsener Schäferhund und ein 13-jähriger Dackel haben grundlegend unterschiedliche Bedürfnisse. Hersteller kennzeichnen Futter häufig nach Lebensphasen: „Junior“, „Adult“ und „Senior“ sind dabei die gängigsten Kategorien. Das ist sinnvoll, sollte aber nicht blind übernommen werden.

Welpen benötigen deutlich mehr Protein und Kalzium als adulte Hunde, da sie Muskel- und Knochenaufbau betreiben. Der Proteingehalt im Welpenfutter liegt idealerweise bei 28 bis 32 Prozent Trockensubstanz. Seniorfutter enthält häufig weniger Phosphor, um die Nieren zu entlasten, dafür aber mehr Gelenknährstoffe wie Glucosamin und Chondroitin.

Auch die Rassgröße spielt eine Rolle. Große Hunderassen wie Dogge oder Berner Sennenhund sind anfällig für Gelenkprobleme und brauchen im Jungtieralter Futter mit kontrolliertem Kalzium-Phosphor-Verhältnis, um ein zu schnelles Knochenwachstum zu verhindern. Viele Produkte für „große Rassen“ berücksichtigen das, nicht alle tun es in ausreichendem Maß.

Trocken-, Nass- oder Rohfutter: Was passt?

Die Frage nach der Futterform ist eine der häufigsten, die sich Hundehalter stellen. Es gibt keine universell richtige Antwort, wohl aber klare Vor- und Nachteile.

  • Trockenfutter hat einen Wassergehalt von rund 8 bis 12 Prozent und ist einfach zu lagern. Die Nährstoffdichte ist hoch, was bedeutet, dass kleinere Mengen nötig sind. Nachteil: Hunde nehmen über Trockenfutter wenig Flüssigkeit auf, was bei Tieren mit Neigung zu Harnsteinen ungünstig ist.
  • Nassfutter enthält 70 bis 82 Prozent Wasser, schmeckt den meisten Hunden besser und unterstützt die Flüssigkeitsaufnahme. Es verdirbt nach dem Öffnen schnell und ist pro Kalorie teurer als Trockenfutter.
  • BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) erfreut sich wachsender Beliebtheit. Rohes Fleisch, Knochen, Gemüse und Innereien werden nach einem Verhältnisschlüssel zusammengestellt. Korrekt durchgeführt kann BARF sehr bedarfsgerecht sein, erfordert aber Wissen und Sorgfalt. Fehler bei der Zusammenstellung führen schnell zu Mängeln, etwa bei Kalzium oder Vitamin D.

Viele Halter kombinieren Trocken- und Nassfutter, was grundsätzlich funktioniert, sofern die Gesamtmenge an den Kalorienbedarf angepasst wird.

Zusatzstoffe und Konservierungsmittel

Ein weiteres Kriterium, das oft unterschätzt wird: der Einsatz von Konservierungsmitteln. Ethoxyquin, BHA und BHT sind synthetische Antioxidationsmittel, die in der Lebensmittelindustrie kontrovers diskutiert werden. Sie dürfen in der EU im Heimtierfutter unter bestimmten Grenzwerten eingesetzt werden. Wer sie meiden möchte, achtet auf Produkte, die mit natürlichen Antioxidationsmitteln wie Vitamin E (Tocopherole) oder Rosmarin-Extrakt konserviert werden.

Künstliche Farbstoffe haben im Hundefutter schlicht keine Funktion. Hunde nehmen Farben anders wahr als Menschen, die rote Farbe eines Nassfutters ist also ausschließlich ein Kaufargument für den Halter. Futter ohne Farbzusätze ist daher grundsätzlich vorzuziehen.

Tabelle: Orientierungswerte für adulte Hunde (Trockensubstanz)

Nährstoff Mindestwert Empfohlener Bereich
Rohprotein 18 % 25 bis 35 %
Rohfett 5 % 10 bis 20 %
Rohfaser keine Vorgabe 2 bis 5 %
Rohasche keine Vorgabe unter 8 %

Preisvergleich mit Augenmaß

Günstiges Futter ist nicht automatisch schlechtes Futter, und teures Futter ist keine Garantie für Qualität. Entscheidend ist das Verhältnis von Preis zu tatsächlichem Fleischanteil und Nährstoffprofil. Ein Trockenfutter für 3,50 Euro pro Kilogramm mit 60 Prozent Fleischanteil kann einem Produkt für 2,80 Euro mit 20 Prozent Fleisch und viel Füllmaterial haushoch überlegen sein, obwohl es auf den ersten Blick teurer wirkt.

Rechenbeispiel: Ein 20 Kilogramm schwerer Mischling benötigt etwa 300 Gramm Trockenfutter pro Tag. Bei einem Kilopreis von 4 Euro entstehen monatliche Kosten von rund 36 Euro. Das ist für die meisten Haushalte handhabbar, wenn der Gegenwert stimmt.

Futterumstellung: Ruhig und schrittweise

Wer das Futter wechselt, sollte das über sieben bis zehn Tage tun. Zunächst ein Viertel des neuen Futters untermischen, nach drei bis vier Tagen auf die Hälfte erhöhen, dann auf drei Viertel und schließlich vollständig umstellen. Ein abrupter Wechsel führt bei den meisten Hunden zu Durchfall oder Erbrechen, weil die Darmflora Zeit zur Anpassung braucht.

Reagiert ein Hund trotz langsamer Umstellung mit anhaltenden Verdauungsproblemen, Juckreiz oder Fell-Veränderungen, kann eine Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit vorliegen. In diesem Fall empfiehlt sich eine Ausschlussdiät unter tierärztlicher Begleitung, keine Selbstdiagnose auf Basis von Internetforen.

Die Wahl des richtigen Hundefutters ist kein einmaliger Kauf, sondern eine fortlaufende Aufgabe. Bedürfnisse verändern sich, neue Produkte kommen auf den Markt, und der Hund selbst gibt durch Fell, Gewicht und Energielevel Rückmeldung darüber, ob die aktuelle Ernährung passt. Wer die Grundregeln kennt und bereit ist, die Zutatenliste zu lesen, ist schon besser aufgestellt als die meisten.