Campingregionen in Deutschland und Europa entdecken

Camping boomt. Laut dem Deutschen Camping-Club (DCC) gab es allein in Deutschland 2023 rund 3.400 gewerbliche Campingplätze, die zusammen über 40 Millionen Übernachtungen verzeichneten. Gleichzeitig wächst das Angebot an Stellplätzen für Wohnmobile rasant, und auch das Zelten auf Naturplätzen erlebt eine Renaissance. Wer einmal anfängt, verschiedene Regionen zu bereisen, merkt schnell: Die Unterschiede zwischen einem Platz an der Nordsee, in den Alpen oder an der kroatischen Küste sind erheblich. Es geht nicht nur um Landschaft, sondern um Klima, Infrastruktur, Preisniveau und die Frage, was man wirklich vom Urlaub erwartet.

Deutschland: Vielfalt auf kleinstem Raum

Die deutschen Campingregionen decken ein erstaunlich breites Spektrum ab. An der Ostseeküste, etwa in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Rügen und dem Darß, dominieren familienfreundliche Großanlagen mit direktem Strandzugang. Plätze wie der in Prerow oder auf dem Campingplatz Hafen Gustow auf Rügen bieten Stellflächen für mehrere hundert Einheiten, eigene Sanitäranlagen auf aktuellen Standard und kurze Wege zum Wasser. Der Nachteil: In der Hauptsaison von Juli bis August sind viele Plätze ausgebucht, die Straßen voll, und wer Abgeschiedenheit sucht, wird enttäuscht.

Anders verhält es sich in Bayern. Der Chiemgau, der Berchtesgadener Raum oder das Allgäu bieten kleinere, oft familiengeführte Plätze mit direktem Alpenpanorama. Wandern, Mountainbiking und Badeseen liegen hier oft in Gehweite. Der Campingplatz am Hopfensee bei Füssen gilt als einer der meistfotografierten in ganz Deutschland. Allerdings: Die Preise in Bayern liegen spürbar über dem bundesweiten Durchschnitt. Ein Stellplatz für Wohnmobil plus zwei Erwachsene kostet dort im Sommer leicht 40 Euro pro Nacht und mehr.

Wer es günstiger mag und trotzdem Natur will, findet in der Eifel, im Sauerland oder im Harz gute Alternativen. Die Campingplätze dort sind oft ruhiger, weniger überlaufen und preiswerter. Im Harz etwa liegen viele Plätze auf Höhenlagen zwischen 400 und 600 Metern, was selbst im August für angenehme Temperaturen sorgt.

Skandinavien: Freiheit mit Regeln

Norwegen, Schweden und Finnland stehen für eine Art Camping, die in Mitteleuropa so nicht möglich ist. Das Jedermannsrecht erlaubt das Übernachten in der Natur abseits bewohnter Grundstücke, ohne Genehmigung und ohne Gebühr. In der Praxis bedeutet das: Wer mit dem Zelt oder dem Dachzelt durch Norwegen fährt, kann sich abends einfach einen Platz am Fjord suchen, das Zelt aufstellen und am nächsten Morgen weiterfahren. Diese Art von Camping ist für viele Deutsche ein echter Kulturschock, im positiven Sinne.

Gleichzeitig sind die Preise in Skandinavien hoch. Tankstellen, Supermärkte, Campinggebühren auf offiziellen Plätzen: Alles kostet deutlich mehr als in Deutschland. Wer zwei Wochen durch Norwegen fährt, sollte mit einem Gesamtbudget von mindestens 1.500 Euro pro Person rechnen, Anreise nicht eingerechnet. Dafür bekommt man Landschaften, die kaum zu übertreffen sind.

Kroatien und die Adria: Europas Dauerrenner

Kroatien ist seit Jahrzehnten eine der beliebtesten Campingdestinationen für Deutsche. Die Gründe liegen auf der Hand: Kristallklares Wasser, verlässliches Sommerwetter, gute Erreichbarkeit und ein inzwischen sehr professionelles Platzangebot. Die Istrien-Halbinsel im Norden des Landes gilt als Hochburg für Wohnmobilisten. Plätze wie Lanterna, Bi Village oder Orsera gehören zu den größten Europas und bieten neben Stellplätzen auch Mobilhomes, Sportanlagen, Restaurants und Direktzugang zum Meer.

Wer nach inspirierenden Campingzielen sucht, die über die klassischen Adressen hinausgehen, wird feststellen, dass auch weniger bekannte Regionen wie das Hinterland der Dalmatinischen Küste oder die Inseln Krk und Lošinj reizvolle Alternativen bieten. Die Preise in Kroatien sind seit dem Euro-Beitritt 2023 gestiegen, liegen aber im Juli für einen Stellplatz mit Stromanschluss und zwei Personen noch immer oft zwischen 30 und 45 Euro.

Frankreich: Große Anlage oder kleines Bauernhof-Camping

Frankreich bietet beides in ausgeprägter Form. Die großen Campingparks an der Atlantikküste, etwa in der Vendée oder in der Bretagne, sind bekannt für ihre Ausstattung mit Wasserparks, Animation und Freizeitprogramm. Diese Anlagen richten sich klar an Familien mit Kindern und bieten entsprechend hohen Komfort, allerdings auch entsprechend hohe Preise und wenig Ruhe.

Das Gegenteil sind die sogenannten „Campings à la ferme“, kleine Plätze auf Bauernhöfen, oft mit nur 20 bis 30 Stellplätzen, ohne Animation, dafür mit frischen Eiern vom Hof und einer Stille, die in Deutschland auf einem Campingplatz kaum zu finden ist. Diese Plätze sind nicht überall einfach zu finden, aber die nationale Datenbank der Chambre d’Agriculture und einige spezialisierte Portale helfen bei der Suche.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

  • Saison: Viele europäische Spitzenplätze sind von Anfang Juli bis Ende August komplett ausgebucht. Wer flexibel ist, reist in der Nebensaison und zahlt teils 40 Prozent weniger.
  • Infrastruktur: Sanitäranlagen, Stromanschlüsse und WLAN-Verfügbarkeit variieren stark, selbst innerhalb eines Landes.
  • Zufahrt: Enge Bergstraßen oder schmale Küstenpassagen sind für lange Wohnmobile ein echtes Problem. Vor der Buchung lohnt sich ein Blick auf die angegebenen Fahrzeuglängen.
  • Lärm und Belegung: Bewertungen auf Plattformen wie Campinginfo oder ACSI geben oft konkrete Hinweise auf Ruhezeiten, Partylärm und Belegungsdichte.

Weniger bekannte Regionen verdienen mehr Aufmerksamkeit

Portugal, insbesondere der Alentejo und die Region rund um den Alqueva-Stausee, gilt unter Insidern als Geheimtipp. Die Plätze sind vergleichsweise leer, das Wetter im Frühjahr und Herbst ideal und die Landschaft abwechslungsreich. Ähnliches gilt für Slowenien: Der Campingplatz Bled am gleichnamigen See gilt als einer der schönsten in Europa, liegt aber ganzjährig im Rampenlicht. Wer Slowenien jenseits von Bled erkundet, findet im Soča-Tal oder im Karst deutlich ruhigere Verhältnisse.

Entscheidend ist letztlich, was man sucht. Camping kann bedeuten: fünf Wochen mit dem Wohnmobil durch Skandinavien fahren, eine Woche mit dem Zelt an einem bayerischen See verbringen oder einen Monat auf einem Dauercampingplatz an der Nordsee mieten. Die Regionen Europas bieten für jede dieser Vorstellungen passende Optionen. Wer sich die Zeit nimmt, jenseits der bekannten Namen zu recherchieren, findet Plätze, die keine Tourismusbroschüre je erwähnt, aber im Gedächtnis bleiben.