Ein Einbruch in der Nachbarschaft, ein verlorener Schlüssel oder einfach ein klemmender Zylinder nach zehn Jahren Dauerbetrieb: Es gibt viele Gründe, das Türschloss auszutauschen. Die gute Nachricht ist, dass der Wechsel eines Schließzylinders in den meisten Fällen ohne Handwerker gelingt. Die schlechte: Wer dabei die falschen Entscheidungen trifft, gibt Geld aus und gewinnt trotzdem keine echte Sicherheit.
Was genau ausgetauscht wird
Viele verwechseln das gesamte Schloss mit dem Schließzylinder. Das vollständige Schloss besteht aus dem Schlosskasten, der in der Tür versenkt ist, dem Türbeschlag außen und innen sowie dem Schließzylinder, der das eigentliche Geheimnis des Schlosses darstellt. In den allermeisten Wohnungen ist nur der Zylinder das Problem. Der Schlosskasten funktioniert jahrzehntelang zuverlässig, solange er geölt wird. Deshalb beschränkt sich ein typischer Austausch auf den Zylinder allein.
Der Zylinder sitzt in einer genormten Aufnahme. Maßgeblich ist der sogenannte Profilzylinder nach DIN 18252. Dieser Standard ist in Deutschland und Österreich weit verbreitet. Man erkennt ihn an der ovalen Form und den zwei Seiten: der Außenseite für den Schlüssel und der Innenseite mit dem Knauf oder einem zweiten Schlüsseleingang.
Die richtige Größe ermitteln
Bevor man einen neuen Zylinder kauft, muss man die Maße des alten abnehmen. Dazu schraubt man die Zierrosette oder den Beschlag ab, entfernt die Befestigungsschraube im Schlosskasten und zieht den Zylinder nach dem Drehen des Schlüssels heraus. Dann misst man von der Mitte der Befestigungsschraube zur Außenseite und zur Innenseite. Ein typisches Maß bei einer Wohnungstür lautet etwa 30/10 mm oder 30/30 mm, je nachdem wie weit der Zylinder auf jeder Seite heraussteht.
Wichtig: Der Zylinder sollte auf keiner Seite mehr als drei Millimeter über den Beschlag hinausragen. Steht er weiter hervor, lässt er sich mit einer Zange abbrechen oder aufbohren. Das ist eine bekannte Einbruchmethode. Wer einen Zylinder kauft, der bündig mit dem Beschlag abschließt oder leicht darunter liegt, beseitigt dieses Risiko.
Sicherheitsklassen verstehen
Schließzylinder werden nach DIN EN 1303 in Klassen von 1 bis 6 eingeteilt. Klasse 1 ist die unterste Stufe, Klasse 6 steht für höchste Einbruchhemmung. Für eine normale Wohnungseingangstür empfiehlt das Bundeskriminalamt mindestens Klasse 3. Produkte dieser Klasse bieten Bohrschutz, Ziehschutz und oft auch einen Kopierschutz für Schlüssel.
Bekannte Hersteller solcher Zylinder sind etwa BKS, ABUS, Evva und Kaba. Ein Markenprodukt der Klasse 3 kostet im Fachhandel zwischen 60 und 150 Euro. Billigzylinder aus dem Baumarkt für unter 20 Euro erfüllen häufig nur Klasse 1 und bieten kaum Widerstand gegen gängige Einbruchmethoden wie Picking oder Bumping.
Der Einbau Schritt für Schritt
Wer das Maß hat und den passenden Zylinder gekauft hat, kann den Einbau selbst übernehmen. Man braucht dazu einen Kreuzschlitzschraubenzieher und zehn Minuten Zeit. Die Schritte sind:
- Tür öffnen und Schlosskasten mit Kreuzschlitz seitlich von der Zarge aus freilegen
- Befestigungsschraube im Schlosskasten lösen, sie hält den Zylinder in Position
- Schlüssel in den Zylinder stecken und leicht drehen, damit der Nocken zurückweicht
- Zylinder gerade herausziehen
- Neuen Zylinder einsetzen, auf gleiche Nockenlage achten
- Befestigungsschraube wieder eindrehen, Funktion testen
Nach dem Einbau sollte man die Tür mehrfach auf- und zusperren, auch mit angelehnter Tür ohne eingefallene Falle. Klemmt etwas oder dreht der Schlüssel schwer, ist der Zylinder möglicherweise minimal zu lang oder falsch ausgerichtet.
Wann der Fachmann nötig ist
Es gibt Situationen, in denen der Eigenbau keine gute Idee ist. Wer einen zugeschlossenen Zylinder austauschen will, weil der Schlüssel verloren gegangen ist, steht vor einem anderen Problem. Hier muss zunächst der Zylinder geöffnet oder zerstört werden, was Werkzeug und Erfahrung erfordert. Ein Schlüsseldienst erledigt das, sollte aber vor dem Einsatz einen schriftlichen Kostenvoranschlag nennen. Seriöse Anbieter berechnen für einen einfachen Zylinderwechsel inklusive Anfahrt je nach Stadt zwischen 80 und 150 Euro, in Berlin oder München eher am oberen Ende.
Auch wer den Einbruchschutz der gesamten Tür verbessern will, sollte sich professionell beraten lassen. Ein neuer Zylinder allein hilft wenig, wenn der Türrahmen morsch ist oder das Schloss keinen Mehrfachverriegelungsmechanismus hat. Wer sich einen vollständigen Überblick verschaffen will, findet bei der Recherche zu weiterführenden Sicherheitsmaßnahmen auch Informationen darüber, was man über türschloss austauschen wissen sollte, wenn man den Schutz der eigenen vier Wände ernsthaft verbessern möchte.
Mietrecht nicht vergessen
In Mietwohnungen ist die Rechtslage eindeutig: Der Mieter darf das Schloss austauschen, muss aber sicherstellen, dass der Vermieter weiterhin Zugang zur Wohnung bekommt. In der Praxis bedeutet das, dass man dem Vermieter einen Nachschlüssel aushändigt oder zumindest anbietet. Wer das nicht tut, riskiert Ärger bis hin zur Kündigung des Mietverhältnisses. Das Oberlandesgericht Hamburg hat 2019 in einem Urteil bestätigt, dass ein eigenmächtiger Schlossaustausch ohne Schlüsselübergabe eine Vertragsverletzung darstellt.
Wer in einer Eigentümergemeinschaft lebt, sollte zusätzlich prüfen, ob das Schloss an der Hauseingangstür Teil eines Schließanlagensystems ist. Dann ist ein einseitiger Austausch nicht möglich, weil die Schließanlage nur als Ganzes funktioniert. In solchen Fällen ist eine Absprache mit der Hausverwaltung oder dem WEG-Verwalter zwingend notwendig.
Kosten im Überblick
| Maßnahme | Kosten (ungefähr) |
|---|---|
| Einfacher Zylinder (Klasse 1) | 15 bis 30 Euro |
| Sicherheitszylinder (Klasse 3) | 60 bis 150 Euro |
| Schlüsseldienst Zylinderwechsel | 80 bis 150 Euro |
| Notöffnung plus Zylinderwechsel | 150 bis 300 Euro |
Ein Türschloss austauschen ist kein Hexenwerk, aber es lohnt sich, die Entscheidung nicht zu überstürzen. Wer die Maße korrekt ermittelt, auf eine anerkannte Sicherheitsklasse achtet und das Mietrecht im Blick behält, verbessert seine Sicherheit schnell und ohne großen Aufwand.


