Sammeltaxi auf Santo Antão: Was du vorher wissen musst

Santo Antão ist keine Insel, die man nebenbei abhandelt. Die Berge fallen steil ins Meer, die Täler sind so grün, dass man vergisst, sich im Atlantik vor der westafrikanischen Küste zu befinden, und die Straßen schlängeln sich durch Passlandschaften, die an die Azoren erinnern. Wer hierher kommt, tut das in der Regel mit einem klaren Plan: wandern, atmen, ankommen. Und wer auf Santo Antão von A nach B will, nimmt früher oder später ein Aluguér.

Was ist ein Aluguér überhaupt?

Das Wort kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet schlicht „Miete“. Auf den Kapverden bezeichnet es das Sammeltaxi, meistens einen älteren Kleinbus oder Pick-up, der auf festen Routen zwischen Dörfern und Städten pendelt. Es gibt keinen Fahrplan. Der Wagen fährt, wenn er voll ist. Das ist keine Metapher, das ist die Realität: Wer früh am Morgen am Marktplatz von Porto Novo steht, wartet womöglich zwanzig Minuten, womöglich auch zwei Stunden.

Auf Santo Antão konzentriert sich das Netz auf wenige Hauptrouten. Die wichtigste führt von Porto Novo, dem Fährhafen im Südosten, hinüber nach Ribeira Grande im Nordwesten. Diese Strecke ist rund 35 Kilometer lang, überquert den Pass bei Cova mit knapp 1600 Metern Höhe und kostet zwischen 250 und 350 Escudos pro Person, umgerechnet etwa 2,30 bis 3,20 Euro. Eine zweite Hauptroute verbindet Ribeira Grande mit Ponta do Sol an der Nordküste.

Praktischer Ablauf: So funktioniert das Einsteigen

Ein Aluguér bucht man nicht. Man geht zu dem Platz, an dem die Fahrzeuge stehen, sagt dem Fahrer das Ziel, und wartet. Die Abfahrtsorte sind in Porto Novo und Ribeira Grande jeweils kleine, belebte Plätze nahe dem Zentrum. Erkennbar sind die Fahrzeuge am gelben Kennzeichen, an der Bemalung oder schlicht daran, dass Leute drinstehen und warten.

  • Kleingeld bereithalten: Bezahlt wird am Ende der Fahrt, in bar, direkt beim Fahrer oder dem Begleiter.
  • Gepäck gehört auf das Dach oder in den Kofferraum. Ein großer Rucksack kostet manchmal einen kleinen Aufpreis, manchmal nicht.
  • Platzzuweisung gibt es nicht. Wer zuerst kommt, sitzt. Bei Pick-ups heißt das oft: Ladefläche.
  • Mitreisende machen Pausen an Läden oder an bestimmten Haltepunkten. Man steigt kurz aus, kauft etwas, fährt weiter.

Die Stimmung ist entspannt und meistens freundlich. Touristen fallen auf, werden aber nicht anders behandelt als Einheimische. Englisch spricht kaum jemand, Portugiesisch hilft, Kreolisch noch mehr. Mit einem Dutzend Brocken Kreolisch und etwas Gestik kommt man weit.

Die Route über den Pass – ein Erlebnis für sich

Die Fahrt von Porto Novo nach Ribeira Grande dauert je nach Pausen und Zustand des Fahrzeugs zwischen 45 Minuten und eineinhalb Stunden. Der Abschnitt über den Pass ist landschaftlich außergewöhnlich: Auf der Südseite ist die Vegetation spärlich und trocken, die Hänge steinig. Kurz hinter dem Scheitelpunkt ändert sich das schlagartig. Die Nordflanke ist feucht, grün, mit Eukalyptus, Zuckerrohr und Terrassenfeldern, die sich bis in den Talgrund ziehen.

Wer auf der richtigen Seite sitzt, hat während der Abfahrt Blicke ins Tal von Paul, das zu den eindrucksvollsten Landschaften des gesamten kapverdischen Archipels zählt. Das Fenster auf der rechten Seite bei der Fahrt nach Ribeira Grande ist die bessere Wahl.

Was Reisende realistisch einplanen sollten

Wer Aluguéres nutzen will, muss eines akzeptieren: Zeitplanung funktioniert hier nicht mit Minutengenauigkeit. Frühmorgens, zwischen sechs und neun Uhr, sind die meisten Fahrzeuge im Umlauf, weil Einheimische zur Arbeit oder zum Markt fahren. Gegen Mittag wird es ruhiger, am frühen Nachmittag gibt es wieder Bewegung. Nach 17 Uhr wird es dünn.

Wer abgelegene Täler wie Ribeira da Torre oder die Nordküste jenseits von Ponta do Sol erkunden will, trifft auf deutlich weniger Frequenz. Manchmal fährt täglich nur ein Aluguér auf bestimmten Strecken, manchmal keiner. Für solche Routen lohnt sich die Absprache mit dem Gasthaus vorab. Viele Unterkunftsbetreiber wissen, wann welches Fahrzeug wohin fährt, und können beim Organisieren helfen.

Für alle, die sich intensiver mit Reisewegen abseits des Offensichtlichen beschäftigen wollen, gibt es gute Ressourcen: Wer etwa nach konkreten Erfahrungsberichten zu Santo Antão oder ähnlichen Zielen sucht, wird bei Reisen und Reisetipps abseits der Massen fündig, wo Reisende ihre eigenen Eindrücke aus wenig frequentierten Gegenden teilen.

Preise und Alternativen im Überblick

Strecke Preis (Aluguér) Preis (Privattaxi) Fahrzeit ca.
Porto Novo – Ribeira Grande 300 CVE 2.500–3.500 CVE 60–90 Min.
Ribeira Grande – Ponta do Sol 150 CVE 1.200–1.800 CVE 30–45 Min.
Ribeira Grande – Paul 100 CVE 800–1.200 CVE 20–30 Min.

Privattaxis gibt es auf Santo Antão, sie sind aber teurer und nicht immer verfügbar. Wer eine Gruppe von vier oder fünf Personen ist, kann die Kosten teilen und kommt dann auf einen ähnlichen Preis wie mit dem Aluguér, hat dafür aber mehr Flexibilität beim Zeitplan. Für Einzelreisende oder Paare ist das Sammeltaxi das klar günstigere Mittel.

Mietwagen: eine Randbemerkung

Einige Anbieter in Porto Novo und Ribeira Grande vermieten Fahrzeuge, meist kleine Geländewagen. Die Preise liegen bei 40 bis 65 Euro pro Tag. Das Straßennetz ist auf der Insel teils sehr gut asphaltiert, teils aber auch sehr steil und eng. Wer keine Erfahrung mit Bergstraßen hat, sollte vorsichtig sein. Einige Pisten, vor allem im Nordwesten, sind nach Regen unpassierbar.

Das richtige Mindset für Santo Antão

Santo Antão ist keine Insel für Reisende, die alles kontrollieren wollen. Das Aluguér ist kein Makel der Infrastruktur, sondern ein Teil der Insel. Man sitzt neben einem Bauer, der Bananen transportiert, neben einer Schülerin, neben einem alten Mann, der schweigend aus dem Fenster schaut. Das ist keine romantisierte Folklore, das ist einfach der Alltag hier.

Wer sich darauf einlässt, reist anders als jemand, der von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzt. Santo Antão belohnt Langsamkeit. Das gilt für die Wanderwege durch die Täler genauso wie für das Warten auf den nächsten Aluguér am Straßenrand von Ribeira Grande.