Frankfurt entdecken: Römerberg und Museumsufer

Frankfurt gilt im deutschen Städtevergleich oft als reine Finanz- und Messestadt. Wer aber ein Wochenende dort verbringt, merkt schnell, dass diese Einschätzung zu kurz greift. Zwischen dem mittelalterlichen Römerberg im Norden des Mains und dem Museumsufer auf der Sachsenhäuser Seite liegt ein kulturelles Angebot, das in dieser Dichte kaum eine andere deutsche Stadt auf so engem Raum versammelt. Auf rund zwei Kilometern Flussufer stehen 15 Museen Tür an Tür, und der Römerberg selbst trägt fast 1000 Jahre städtischer Geschichte in sich.

Der Römerberg: Mehr als eine Kulisse

Der Römerberg ist der historische Kern Frankfurts. Der Platz wurde im frühen Mittelalter als zentraler Marktplatz angelegt und blieb über Jahrhunderte Schauplatz von Kaiserkrönungen, Messen und öffentlichem Leben. Das Rathaus, der sogenannte Römer, besteht aus drei zusammengefassten gotischen Patrizierhäusern aus dem 15. Jahrhundert. Bekannt ist vor allem der Stufengiebel an der Westfassade, der auf zahllosen Postkarten zu sehen ist.

Was viele nicht wissen: Der Kaiseraal im Römer hängt voller Porträts aller deutschen Kaiser von Karl dem Großen bis Franz II., insgesamt 52 Gemälde. Die meisten entstanden erst im 19. Jahrhundert als historisierende Rekonstruktionen, sind aber als kulturhistorisches Dokument einer bestimmten nationalen Selbstwahrnehmung interessant. Der Eintritt beträgt zwei Euro.

Gegenüber dem Rathaus stehen die rekonstruierten Fachwerkhäuser der Ostzeile, die nach dem Zweiten Weltkrieg komplett neu errichtet wurden. Das Original wurde 1944 durch Bomben zerstört. Der Wiederaufbau in der heutigen Form wurde erst zwischen 1981 und 1983 abgeschlossen. Direkt daneben liegt die Schirn Kunsthalle, die wechselnde Ausstellungen von internationalem Format zeigt, zuletzt etwa eine Retrospektive zu El Lissitzky mit über 200 Exponaten.

Domhügel und Altstadt: Die archäologische Tiefe

Nördlich des Römerbergs steht der Kaiserdom St. Bartholomäus, im Volksmund schlicht als Frankfurter Dom bekannt. Er war zwischen 1562 und 1792 Krönungskirche der deutschen Kaiser. Der Domturm ist 95 Meter hoch und lässt sich gegen eine Gebühr von drei Euro besteigen. Der Ausblick über die Innenstadt und auf den Main lohnt die gut 300 Stufen.

Zwischen Dom und Römerberg wurde zwischen 2012 und 2018 das neue Altstadtquartier errichtet, das sogenannte Dom-Römer-Areal. 35 Häuser entstanden dort neu, teils als Rekonstruktionen historischer Vorbilder, teils als Neubauten in historisch informierter Architektur. Wer sich für Stadtplanung und Denkmaldiskussion interessiert, findet dort ein aktuelles Beispiel für den deutschen Streit um Rekonstruktion versus Neubau.

Das Museumsufer: Europas dichteste Museumsmeile

Das südliche Mainufer zwischen Untermainbrücke und Friedensbrücke versammelt auf etwa 1,5 Kilometern eine Folge von Museen, die in ihrer thematischen Bandbreite kaum zu überbieten ist. Das Städel Museum mit seiner Sammlung von 3000 Gemälden aus sieben Jahrhunderten gilt als eines der bedeutendsten Kunstmuseen im deutschsprachigen Raum. Direkt daneben liegt das Liebieghaus mit seiner Skulpturensammlung von der Antike bis zum Rokoko, und das Museum für Kommunikation zeigt auf vier Stockwerken die Geschichte der Medien von der Schreibtafel bis zum Smartphone.

Für alle, die sich einen Überblick verschaffen wollen, bevor sie einzelne Häuser tiefer erkunden, bietet sich ein Blick auf die Übersicht der Museen in Frankfurt an, die auch praktische Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen enthält. Gerade für Familien mit Kindern oder Gruppen mit unterschiedlichen Interessen ist eine solche Vorplanung sinnvoll, weil die Eintrittspreise und Schwerpunkte erheblich variieren.

Das Deutsche Filmmuseum etwa kostet 9 Euro Eintritt und ist stark auf interaktive Exponate ausgerichtet, das Museum Weltkulturen zeigt außereuropäische Kunst und Alltagskultur und hat freien Eintritt in die Dauerausstellung. Das Museum für Angewandte Kunst bietet einen Querschnitt durch Design und Kunsthandwerk von der Antike bis zur Gegenwart.

Sachsenhausen: Das Viertel hinter den Museen

Wer die Museumsmeile abläuft, bewegt sich bereits in Sachsenhausen, dem alten Südstadtviertel Frankfurts. Das Viertel liegt jenseits des Mains und hat eine eigene Identität, die sich deutlich von der Innenstadt unterscheidet. Die Strassen rund um den Schweizer Platz und die Klappergasse sind geprägt von kleinen Gastronomiebetrieben, Kneipen und Läden.

Sachsenhausen ist vor allem für seine Apfelweinwirtschaften bekannt. Apfelwein, auf Frankfurterisch „Stöffche“ genannt, ist das lokale Getränk und wird in Bembeln, den typischen blauen Tonkrügen, serviert. Zu den ältesten noch betriebenen Wirtschaften zählt die Zum Gemalten Haus an der Schweizer Strasse, die seit über 100 Jahren existiert. Der Apfelwein hat einen Alkoholgehalt von typisch 5,5 bis 7 Prozent und einen herb-sauren Geschmack, der sich vom industriellen Apfelsaft vollständig unterscheidet.

Praktische Orientierung für den Besuch

Frankfurt ist kompakt. Vom Hauptbahnhof zum Römerberg sind es zu Fuss etwa 20 Minuten oder mit der U-Bahn vier Minuten bis zur Haltestelle Römer. Das Museumsufer ist von dort über die Eiserne Brücke in weiteren zehn Minuten zu erreichen. Wer zwei Tage hat, kann ohne grossen Aufwand den historischen Stadtkern, das Museumsufer und Sachsenhausen abdecken.

  • Römerberg und Kaiseraal: Täglich geöffnet, Eintritt 2 Euro
  • Kaiserdom mit Turm: Domturm 3 Euro, Dommuseum 4 Euro
  • Städel Museum: 16 Euro, mittwochs abends vergünstigt
  • Museum für Kommunikation: 5 Euro, Kinder unter 6 frei
  • Schirn Kunsthalle: Wechselnd, Einzelticket ab 10 Euro

Das Museumsufer-Ticket, erhältlich an den Museumskassen, kostet 21 Euro und gilt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für alle teilnehmenden Häuser. Für Vielbesicher rechnet es sich schnell.

Frankfurt als Kulturstadt ernst nehmen

Das Vorurteil, Frankfurt sei eine seelenlose Bankenmetropole, hält dem Besuch nicht stand. Die Stadt hat mehr Museen pro Einwohner als Hamburg oder Stuttgart, und der Römerberg gehört zu den wenigen Orten in Deutschland, an denen mittelalterliche Stadtgeschichte, Nachkriegsrekonstruktion und zeitgenössische Architektur auf engstem Raum aufeinandertreffen. Wer das nicht als Kulisse, sondern als Erzählung liest, hat in Frankfurt mehr zu entdecken, als ein Wochenende reicht.